Eine Winterreise. Schubert in Zeiten der Pandemie.

TOR 6 Theaterhaus
Konzert

Gesang: Nike Schmitka
Klavier: Kamilla Matuszewska
Tanz/Choreographie: Dirk Kazmierczak
Schlagzeug: Morten Wienand
Regie/Dramaturgie: Dorothea Kirschbaum



Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus: So beginnt der vielleicht bekannteste Liederzyklus von Franz Schubert, die Winterreise (1827). Text und Musik sind auf geradezu geniale Weise miteinander verwoben, Klavierpart und Gesangsstimme stehen in engem Dialog miteinander und erzählen von Einsamkeit, Sehnsucht und innerer Unruhe. Das lyrische Ich fühlt sich ausgestoßen, aus der Bahn geworfen. Depressive Erstarrung wechselt sich ab mit Ruhe- und Rastlosigkeit. Hoffnung und die Erinnerung an freudvolle Zeiten, an Nähe und Wärme schlagen um in Resignation und Todessehnsucht. Winter, Schnee und Eis sind Chiffren für eine erstarrte Oberfläche, unter der es jedoch glüht: Der Schmerz ist verdrängt, nicht überwunden. Über allem liegt die unerfüllte Sehnsucht nach dem fernen, geliebten Menschen und endlich nach Rast. Am Ende trifft das lyrische Ich auf den Leiermann, einen anderen Ausgestoßenen. In einsamer Gemeinsamkeit, gewissermaßen im Permafrost der Gefühle ziehen sie zusammen weiter – wenigstens nicht mehr allein.

Die Gefühle und Situationen, denen Schubert musikalischen Ausdruck verleiht, sind zeitlos aktuell, sie sind es umso mehr in diesen Zeiten der Pandemie, die die Menschen vor kaum geahnte Herausforderungen stellen. Erstarrung, Trauer, die Frage nach Nähe und Distanz, Unsicherheit, Unruhe, Hoffnung, Sehnsucht, die Suche nach einem Ausweg gehören zu den Erfahrungen der letzten Monate. Besonders das Gebot der sozialen Isolation, die Verzweiflung angesichts der (temporären) Einsamkeit, war und ist einschneidend. Doch auch die Sorgen, wie es denn weitergeht, wann es weitergeht, treibt alle um, von Jung bis Alt.

Was kommt – der nächste Lockdown? Die „neue Normalität" und das „Leben mit dem Virus"?

Ganz bewusst meldet sich das Klang!Festival nach den Monaten rein digitaler Veranstaltungen zurück in der analogen Welt mit einer szenisch-choreographischen Interpretation dieses einzigartigen Liederzyklus, in dem wir so viel von dem wiederfinden, das uns gerade jetzt bewegt. Und mit der Botschaft: Es geht weiter, auch das Klang!Festival ist weiter für sein Publikum da, solange sich die Leier dreht!

So, 19.09.2021 19:30 Uhr

TOR 6 Theaterhaus

Hermann-Kleinewächter-Str. 4
33602 Bielefeld


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